Monday, September 17, 2007

 


...und weiter gehts im OSTBLOG
wie einige von euch wissen, ist für mich gerade das nächste Kapitel bei unseren mittel- und osteuropäischen Nachbarn angebrochen. Diesmal befinde ich mich in der kleinen Stadt Ruse in Bulgarien. Diese 150000 Einwohner Metropole liegt etwa 60 km südlich von Bukarest, direkt an der rumänisch bulgarischen Grenze, an der Donau (was wie zu erwarten der offizielle Grenzfluss ist). Für die, die in den letzten Wochen, Monaten oder Jahren aus unterschiedlichen Gründen nicht soviel Kontakt zu mir hatten, ich werde in nächster Zeit hier am Bulgarisch-Rumänischen Interuniversitären Europazentrum (kurz BRIE) als Dozent arbeiten. Weiter Informationen dazu auf der Internetseite des Zentrums: http://www.brie.ru.acad.bg

Doch das nur zur Einleitung...

Immer gen Osten (29.08.2007)

Die Reise begann mit einem gewagten Vorhaben. Nach A. vorletzter Abschlussprüfung und C. professionellen Bepacken des R19, sollte es gleich am 29.08. auf die Autobahn gehen, um möglichst weit zu kommen, bevor der erste Stopp nötig werden würde. Als Zwischenstation war die ungarisch-serbische Grenze angepeilt und das sollte ja in einer Nacht zu schaffen sein. Nachdem ein doppelter Espresso (C.) und ein Martini (A.) uns unterschiedlich auf die Fahrt vorbereiteten, den wir in freundlicher Gesellschaft von Frances, Caro und Manu im Difranco Deluxe zu uns nahmen, verließen wir unsere schöne Stadt in Richtung Dresden. Da wir auf den ersten 20 km ziemlich müde wurden, entschieden wir uns dafür, in Frankenberg bei den lieben Eltern vorbeizuschauen, die uns und unseren Plan für ziemlich abwägig hielten, uns daraufhin mit einer Kürbissuppe, Rotwein und anderen Köstlichkeiten zum da bleiben bestachen (schon gehts damit los, typisch!) und uns schließlich eine gemütliche Übernachtungsmöglichkeit anbaten, die wir nicht ausschlagen konnten. Und so verbrachten wir die erste Nacht in Sachsenburg, was ja irgendwie auch schon mal östlich von Chemnitz liegt.


3 Hauptstädte an einem Tag (30.08.2007)

Frisch ausgeruht und doch etwas verschlafen, verließen wir Frankenberg gegen 5 Uhr Richtung Dresden, um 6:oo die tschechische Grenze zu passieren und zunächst auf einer Landstraße und später zum Glück wieder auf der Autobahn nach Prag zu fahren. Zwischen Prag und Brünn hielten wir erstmal für eine kleine Rast an einer OMV, wobei dieses größte börsenotierte Industrieunternehmen Österreichs und der führende Öl- und Gaskonzern Mitteleuropas - besser bekannt als Tankstelle - uns noch lange "bewegen" sollte. Da wir natürlich dank sorgsamer Reisevorbereitungen alles mit hatten außer diverse Währungen, konnten wir uns lediglich einen MR. BROWN Kaltdosenkaffeegetränk und 2 Schokoriegel mittels Kartenzahlung kaufen. Da es in Tschechien dazu noch ziemlich frisch war, dehnten wir unseren Aufenthalt im Nachbarland auch nicht weiter aus. Schließlich hatten wir ja auch noch 700 km vor uns. Nach einer weiteren Grenzüberquerung in die Slowakei waren wir kurz darauf in Bratislava, was durch den einmaligen Anblick eines riesigen (vielleicht 5 km langen) Neubaublockgebietes auch nicht weiter zum Verweilen anregte. Dazu sei gesagt, dass Bratislava wahrscheinlich eine ziemlich chiqe Stadt ist, aber von der Autobahn aus eben wie Jena oder Magdeburg einfach nur bedrohlich hässlich rüber kommt. Wie dem auch sei, plötzlich waren wir wieder an einem Grenzübergang und kamen auch direkt mit einem netten Ungarn aus Deutschland ins Gespräch, der uns zu einer nunmehr dritten Straßenvignette an unserer Frontscheibe verhalf.

Warum verdienen eigentlich alle Staaten mit Straßengebühren etwas dazu, sanieren ihre Autobahnen (mal abgesehen von Rumänien) und diskutieren nicht ewig darüber? Wie dem auch sei, es hat auch Nachteile, weil man dank der beschissenen Vignetten nach einem Jahr rumfahren die ganze Scheibe damit vollgeklebt voll hätte, was wiederrum die Autowirtschaft ankurbeln würde, da man ja immer wieder ein neues Auto oder zumindest eine neue Scheibe bräuchte. Abmachen kann man diese Klebeungeheuer auf jeden Fall nicht so einfach. Vielleicht ein gutes Modell für die BRD. Oder eben absoluter Schwachsinn; dieser letzte Abschnitt. Das kann jeder selbst entscheiden!

Auf jeden Fall sind wir dann entgegen unserer tiefen Überzeugung, lieber zu Hungern als in die verabscheuungswürdige Fastfoodkette MCD einzukehren, dieses Markenzeichen für Zivilisation aufzusuchen und die frischen ungarischen Forint gegen Kaffee und Bürger einzutauschen. Ich liebe es! Danach haben wir einen schnellen Blick auf das schöne Budapest, welches wir, glaube ich, westlich passierten, geworfen um uns geradlinig unserem selbsternannten Tagesziel, der südungarischen Stadt SZEGET zu nähern. In Richtung Süden hielten wir dann noch einmal auf einem Rastplatz, was uns in Form herumlungernder Zigeuner (also Roma und Sinti, die wir natürlich als bedeutende europäische Minderheit achten und keine Vorurteile gegenüber diesem multinationalen Nomadenvolk haben), vor sich hinspuckender Schnurbartträger und latent überschminkter Frauen erstmals "kulturelle" Unterschiede vor Augen brachte. Gegen 16:30 Uhr erreichten wir die Stadt Szeget, die uns mit schönem warmen Wetter und semi-mediteranem Flair empfing.


SzegedWenn man sichs genau überlegt, könnte Szeged auch Rousse sein. Die südungarische Universitätsstadt hat 160.000 Einwohner/innen, liegt an der Donau, hat eine ganz lebhafte und schöne, dennoch sehr überschaubare Innenstadt, liegt direkt an einer Grenze (eigentlich sogar 2 Grenzen, nämlich Serbien und Rumänien) und ist somit auch eine Transitstadt. Aber die Ähnlichkeit stellt sich bei näherer Betrachtung doch als sehr oberflächlicher heraus. Wie auch immer, Szeged ist alle mal einen Besuch wert, wenngleich ein oder zwei Tage sicherlich genug sind. Im Sommer soll es nach Angaben von Peter, der an der Universität Szeged als Tandemlektor gerade seine Dissertation über irgendetwas mit europäischem Recht schreibt und uns nicht nur eine sehr schöne Pension unweit des Zentrums, sondern auch die Stadt gezeigt hat, viele Festivals geben. Die Pension http://www.familiapanzio.hu/de.html bietet ziemlich chiqe Doppelzimmer für 35 EURO..., wenn man nicht mit Karte bezahlen will, was nicht möglich ist und dann bei der Bezahlung auf die EURO Reserve zurückgreifen muss, die Dank sehr ungünstigen Wechselkurses seitens der ansonsten sehr netten Rezeptionsfrau über Gebühr strapaziert wird (4 EURO mehr bezahlt als nötig, so ein Scheiss). Was man auf jeden Fall in Szeget tun sollte ist, sich ein nicht an der Hauptstraße gelegenes Restaurant, am besten zwischen Innenstadt und Donau, suchen und nen Teller Fischgulasch essen. Sehr lecker und sättigend.

Ansonsten haben wir weder mehr von Szeged mitbekommen noch zu sagen. Wir waren ja müde und mussten am nächsten Tag wieder um 4 Uhr aufstehen.

Autobahnen... (01.10.2007)haben den ganz klaren Vorteil, dass man einfach schnell voran kommt. Leider gab es auf den nächsten 900 km nur wenige davon. Nachdem wir gegen 6:00 erneut eine Grenze passierten, waren wir in Serbien und die Autobahnen erstmal nicht vorhanden. Glücklicherweise gab es bis Belgrad nicht so viel Verkehr, was wohl eher an der Uhrzeit als am fehlenden Transittreiben lag. Belgrad war irgendwie sehr interessant beim durchqueren und wir fanden es erstmals wirklich schade, dass wir hier aufgrund des uns selbst auferlegten Zeitdrucks nicht anhalten konnten. Vom Auto aus lassen sich vor allem die wirklich interessanten Konstruktionen osteuropäischer Blockbaukunst herausstellen. Ansonsten waren von dem gar nicht so lange zurückliegenden Bürgerkrieg keine Restschäden feststellen. Und wie ich später erfahren habe, hat Belgrad eine sog. Studentski grad (Studentenstadt), die sehr zu empfehlen sei. Naja, war ja nicht das letzte Mal.

Nach Belgrad beginnt die serbische Provinz, aber dafür gibt es wieder eine Autobahn, zumindest bis Nisch. Von da aus gings auf überfüllten Landgebirgsstraßen durch den serbischen Teil des beeindruckenden Balkangebirges, welches unbedingt mal bewandert werden muss. Für Reisende im Auto fallen wieder einmal die hier außerordentlich hohen Mautgebühren auf, die zumindest für die Anzahl und Qualität der "Schnellstraßen" übertrieben erscheinen. Aber schließlich müssen die Serben ja viel weider aufbauen ... hoffentlich tun sie das bald. Die Information diesbezüglich bekamen wir von einem sehr gut deutsch sprechenden türkischen Lastwagenfahrer auf, wie sollte es anders sein, einem OMV Rastplatz, was uns zum Abheben von 10000 Dinaren bewegte um finanziell auf der sicheren Seite zu sein. Unglücklicherweise hatten wir vor lauter Wechselkursen im Kopf diesmal etwas deneben gelegen und die 10000 Dinare erweisen sich als irgendwas über 125 EURO, die wir unmöglich ausgeben konnten. Deshalb habe ich jetzt auch noch 6500 von den Dingern rumliegen und hoffe, dass die Inflation in Serbien nicht so hoch ist.

Kurz vor der nächsten Grenze hielten wir nochmal an einer OMV. OMV baut seine Tankstellen grundsätzlich nur an Autobahnen, was in dem Fall dazu führte, das besagtes Unternehmen einen Kilometer Autobahn gebaut hat um seine Tankstelle ranzustellen. Man freut sich also über den neu ausgebauten, herrlichen Highway, fährt 500 m, chillt kurz bei einem Kaffee und in Anwesenheit einer Grenzkontrollprigade, fährt wieder 500 m, und befindet sich erneut auf einem besseren Holperweg. Nach 2 EURO "Irgendwas" Gebühr, 10 EURO Straßenplakette für Bulgarien und freundlichem Durchwinken der Grenzer, waren wir nun also in Bulgarien.

Für die ersten 50 km in Bulgarien brauchten aufgrund mehrerer Baustellen und viel zu viel Verkehr 2 Stunden. Dann erreichten wir die "Stadtautobahn" von Sofia, was sich zu unserem Erstaunen als einfache, hoffnungslos überfüllte Landstraße entpuppte, welche die Hauptstadt umkreist. Nach einer weiteren Stunde verließen wir diese in Richtung Ruse. Um es kurz zu machen, die Straßenverhälnisse besserten sich nicht, nur musste man nun nicht nur auf rasende Neureiche im Porsche Cayenne und übermüdete türkische LKW Fahrer, sondern auch auf mit Stroh und Holz belade Eselskarren achten. Dementsprechend ließen sich die letzten 300 km nicht unter 4,5 Stunden schaffen. Mit anbrechender Dunkelheit erreichten wir die "neue" Heimat Ruse um 21:00 Uhr, völlig im Arsch und nach einem Bier lächzend. Letzeres nahmen wir dann in Gesellschaft von Timo, dem hießigen Kulturmanager und Verwalter unseres Wohnungsschlüssels, den beiden Kirchendudes Anni und Martin sowie einem Priester zu uns. Herrlich! Insbesondere das Bier.

Der erste Eindruck...von Ruse war überraschend gut. Der Freiheitsplatz im Stadtzentrum, in dessen Straßenkaffees und Bars die Leute scheinbar entspannt über Gott und die Welt diskuttierten, ließ die umliegende Block- und Industrielandschaft nicht erahnen. Und bei angenehmen 25 Grad am Abend hätten wir wohl noch ewig rumsitzen können, wenn wir nicht so müde gewesen wären. Der Eindruck der Wohnung, in der ich nun wohnen sollte, war demgegenüber eher schockierend. Also nicht, dass wir uns auf Luxus eingestellt hätten, aber einen Kampf gegen die Kakalaken hätten wir uns gern erspart am ersten Abend. Und davon abgesehen war der Gesamtzustand der Butze, vorsichtig ausgedrückt, etwas abgewohnt. Nicht nur unser Hunger trieb uns also umgehend wieder raus da.

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