Monday, November 28, 2005

 

Teil 12

Kiffen und Graffiti in da Ukraine

Wie immer schaute C. etwas orientierungslos drein, als wir durch Mashas Füsse kitzeln geweckt wurden. Ein schneller Kaffee, und nach 15 Minuten befanden wir uns bereits auf dem Weg zum Busbahnhof in freudiger Erwartung auf einer erneuten Maschrutkafahrt nach Ternopil. Und auch dieses Mal sollte das Gefährt eine einmalige Erfahrung werden. Der wohlbeleibte Fahrer war scheinbar neu im Maschrutka Biz, weshalb er seinen Kleinbus etwas abseits parken und auf dem Vorplatz des Bahnhofes für seinen Fahrservice werben musste. Sein Nissan beherbergt im Normalfall 8 Leute. Um aber seinem monetären Output zu erhöhen, hatte er zwei simple Holzstühle in den „Kofferraum“ gestellt, unter denen unsere Kraxen zwar Platz fanden, nicht aber die Beine der darauf Sitzenden. Nichtsdestotrotz begnügte sich ein älterer Herr vorerst mit einem dieser Notsitze. Dieser wurde aber direkt verjagt, da zwei andere potentielle Mitfahrer weiter als der andere Mann fahren wollten und somit den Ertrag für den Kutscher um unglaubliche 6 Euro in die Höhe steigerten. Nachdem es endlich losging, dass wir drei auf einem Zweimannsitz mit einem Kamikaze Fahrer unterwegs waren, der zu allem Übel von Sekundenschlaf geplagt wurde. In der unglaublichen Zeit von 1 ½ Stunden und mit erhöhtem Adrenalinspiegel erreichten wir unserer mindestens 2 Stunden entferntes Reiseziel.

Direkt auf dem Busbahnhof muss an dieser Stelle die beste Pizzeria in der Ukraine erwähnt werden, welche vollkommen im Mosaikstyle entworfen wurde und natürlich eine äußerst wohlschmeckende Pizza plus Bier für uns bereitstellte. Nachdem ordentlich aufgeschmatzt wurde, kam auch schon der erste Aiesecer hinzu, seines Zeichens Präsident von Aiesec Ternopil und ein original Trapezkopf. Der spielte erstmal mit seinem Handy, bis der Hydrant, ein Aiesec Ternopil PR Dude, kam und die beiden endlich „sinnlos Handyteile hin und her tauschen“ zocken konnte. Trapezi verschwand alsbald und Hydrophil nahm uns mit zu seinen Großeltern, wobei sein Opa irgendwie harte wirkend in der Ecke saß und seine Oma uns mit einem überfreundlichen, fast schon geschrieenem „strastvutje“ begrüßte. Unsere kurze Pause in dem viel zu kleinen Raum nahm nicht mehr als die Länge zweier Aiesec Computerpräsentationen ein, um sofort wieder loszurocken. Durch die dubiosen Straßen von Ivano…äh Ternopil, bekamen wir eine Kurzführung durch die Stadt. Da waren das gelbe Haus neben dem rosa Haus, der Supermarkt, ein Park mit dem Mann aus dem Gulli, und und und.

Nach dieser hochinteressanten Führung, wurden wir an einen verpeilt dreinschauenden EBM DJ übergeben, der Hydrant verschwand, und wir wurden in schlechtem Englisch aufgefordert zu folgen. Der Freak machte uns begreiflich, dass er erstmal Gras holen müsse um mit uns zwei Deutschen eine Friedenspfeife zu rauchen. Auf dem Weg in eine Riesenindustrieruine wurde er von uns, wie sich später herausstellte zu Unrecht, mit vielerlei verbaler Kritik überzogen. Wir dachten eben, dieser 18’jährige Kiffer versuche sich und uns soweit wie möglich von jeglicher Zivilisation zu entfernen um nicht gebustet zu werden. Wie dem auch sei, die darauf folgende Führung durch die aufgrund der Sprühkunst zu neuem Leben erwachte Ex Zementfabrik war echt fett. Die selbstgebaute Taschenbong half dabei ein wenig die Optik zu verzerren. Es war beeindruckend und gruselig zugleich, vor allem wenn man bedenkt, dass zu Sowjetzeiten täglich tausende Menschen hier einmarschierten, um die ganze UdSSR mit Zement zu versorgen.

Nach diesem ausgiebigen Adventuretrip, wurden wir, inzwischen leicht fußlahm, wieder an den Hydrant übergeben und der Jaroslav verabschiedete sich. Wir warteten vor dem Dramentheater auf einen Polen, um dann in das hoch dotierte und viel beschriebene ukrainische Restaurant zu gehen. Dieses war eine ehemalige Mühle mit viel Zeugs drin, wie Heuballen, alte Mitgabeln, Bügeleisen, Hacken und ähnliche Bauernutensilien. In diesem osteuropäischen Dorfambiente mit Live Folklore und hübschen Bedienungen schmeckte der Wodka aus 0,5 l Karaffen gleich doppelt so gut, weshalb auch doppelt soviel (nämlich 2 dieser besagten Karaffen) reingelittert wurden. Natürlich gab es auch echt geilen Scheiss zu essen, so zum Beispiel einen riesigen, mit Tomaten, Schafskäse und Schinken belegten Reibekuchen für C. sowie so was wie ne Pizza, aber ein bisschen anders und ultralecker für M. Angesichts der Tatsache, dass unser Zug zurück nach Odessa erst um 2:30 Uhr fuhr, versuchen C. und M. nicht zu voll zu werden, aber das war ganz und gar unmöglich, da M. bei jedem Blickkontakt mit Hydrant diesen sofort ermutigte, Wodka nachzukippen. Daher waren die 2 Karaffen auch ziemlich rasch geleert.

Nun mussten wir, latent angetrunken, die nächsten 4 Stunden mit viel zu warmen, dementsprechend kaum trinkbarem, Bier überbrücken, wobei ein wenige sinnlos rumgelatscht , rumgechillt und rumgelallt wurde, was etwas langweilig war.


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