Monday, November 28, 2005
Teil 13
In der 3. Klasse nach Odessa – Meer du hast uns wieder
Wir hatten bereits erfahren, dass man in der Ukraine unmöglich herumreisen kann, ohne nicht wenigstens den Nachtzug per Platzcard zu benutzen. Anstelle von kleinen Abteilen mit 2 bzw. 4 Personen, wurden hier in der 3. Klasse alle Fahrgäste in einen Wagon ohne Türen gepresst. Da der Zug aus L’Viv kam, war dieses Abteilgeschläf bereits schwer belegt und roch nach Fuß. Die aus den oberen Betten heraushängenden Füße in Kombination mit den geschlossenen Fenstern sollten daran auch nichts ändern. Geschlafen haben wir dennoch oder vielleicht genau deshalb sehr tief. Die Pistole auf unserem Zwischenabteilstisch beunruhigte uns zunächst, konnte nach genauerer Untersuchung aber als Plastspielzeugknarre des kleinen Rackers, der auf der 50 cm Pritsche mit seinem Vater nächtigte, identifiziert werden. Beendet wurde die sehr erholsame Nacht gegen 8 Uhr durch einen extremen Schweißausbruch, der noch bis 13:00 Uhr, d.h. unserer Ankunft in Odessa anhalten sollte.
Geplagt vom eigenen Schweiß und den unaufhörlichen Hinweisen M’s auf seine unerträgliche Ausdünstungssituation, verbrachten wir den Vormittag damit, mit dem zuvor erwähnten kleinen Dude Verstecken, Abklatsch und Ärgern zu spielen. Dabei gelang es uns weder einen schwarzen Tee zu bestellen noch dem unangenehmen Geruch der eigenen und der anderen Körper zu entfliehen, abgesehen vom Besuch der noch extremeren Zugtoilette und unserem Frühstücksraum, welcher das Raucherabteil war. Das Frühstück bestand dabei standesgemäß aus zwei geschlauchten Kippen und einem „wohltemperierten“ Bier. Die letzten 2 Stunden schwitzten wir extrem, doch kurz bevor wir nahezu unser Bewusstsein wegen akutem Sauerstoffmangel verloren hätten, kam der Zug an und wir stiegen aus, holten das erste mal nach Stunden echte Luft, und schwitzen weiter, da es in Odessa 30 Grad im Schatten waren. Vom Bahnhof aus schwitzten wir in einer absolut überfüllten Maschrutka in Richtung Mashas zu Hause, wo wir lediglich unsere Kraxen abstellten um direkt zu Strand zu flexen. An unserem, bereits ausgecheckten Beobachtungsbierstand saßen wir dann ziemlich lange und glotzten was das Zeug hielt. Aber es waren halt auch wieder extrem gängige Fleischstücken am Start (, wobei dies keine Missachtung des weiblichen Geschlechts bzw. ein Herunterreduzieren auf Körperfeatures sein, sondern lediglich anerkennend unsere Props an die ukrainischen Frauen ausdrücken soll). Den Abend verbrachten wir wieder in der fast schon obligatorischen Dominorunde mit C., M., Masha und Elena sowie Misha als Hintergrundberater für alle vier und Wodkanachfüller. Ziemlich angetrunken butzelten C. und M. später im originalen Wohnzimmer der Familie Novak.