Friday, November 25, 2005
Teil 16
Fischspuckende Polizisten im Zigeunerviertel
Am nächsten Morgen ging es M und C irgendwie beschissen. Daher beschlossen die beiden Urlauber mal so richtig nichts zu machen und das ganze ohne Masha, die sich lieber ihrer Karriere widmete, mit Aiesecern chattete und was weiß ich noch immer Cyperspace trieb. Nach einem Frühstück mit wenig Nahrungsaufnahme schlenderten wir erstmal zu Supermarkt um Wasser, Trinkjogurt, sowie weitere Katernahrung zu holen, beispielsweise Trockenfisch in Tüten, den M. unbedingt mal probieren wollte und der nach erster Kostprobe direkt im Müll landete. Mit diesem nahrhaften Proviant begaben wir uns in Richtung Strand, diesmal aber nicht auf dem herkömmlichen Weg entlang der 4 – 6 spurigen Strasse, sondern durch das oft gescholtene und doch nie näher in Augenschein genommene Zigeunerviertel. Eigentlich ganz gemütlich da, wenngleich teilweise etwas schmutzig.
Bei Erblickung eines Strassenkaffee ähnlichen Etablissements monierte C. reflexartig Kaffeeentzug. Unschlüssig gingen wir erstmal dran vorbei, aber im Grunde waren wir bereits der Schönheit verfallen, die uns ebenso interessiert anschaute wie wir sie (zumindest bildeten wir uns das ein). Wie auch immer brauchte C. M. nicht lange zum Verweilen überreden und erklärte sich auch umgehend bereit, mal zu checken, ob es denn überhaupt Kaffe gibt. Nachdem C. auf die Hintertür des Gebäudes verwiesen, wurde er fündig, in allen Belangen. Selbst wenn die Sprachbarriere mal wieder Schwierigkeiten hervorrief, bekamen wir zwei Kaffee, selbst als wir erklärten, dass wir diesen untypischerweise auf der Terrasse zu uns nehmen wünschten. In dem Laden lief schlechter Techno, dafür gab es aber zwei weitere Candys, die darin arbeiteten. Diese freuten sich scheinbar über den ungewöhnlichen Besuch und begleiteten den Kaffee auf die Sonnenschirmchilloase und beäugten uns kichernd, während M und C im Grunde noch viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt waren.
Bei soviel schöner Aussicht, Schatten und Versorgungsmöglichkeiten blieben wir erstmal sitzen und beschlossen uns intensiv dem Tagebuchnachtragen zu widmen. Dies machte nach einer halben Stunde aber ziemlich durstig. Gemäß C’s Zustand kann das darauf folgende Bier nur als Katergetränk bezeichnet werden, wobei er danach erstmals in seinem Leben das Gefühl hatte, die Binsenwahrheit des wohltuenden Biers nach einer durchzechten Nacht als Wahr zu kategorisieren. Etwa eine halbe Stunde später gesellten sich dann ein paar Original Ukrainer zu uns. Davon sahen einige aus wie gesellschaftliche Randexistenzen und andere wie Leute, die auf dem Weg dahin waren, oder mit anderen Worten Polizisten. Diese lustig vor sich hin debattierende Gemeinschaft genehmigte sich ebenfalls das verdiente Mittagsbier. Dazu knabberten sie ekelhafterweise an kleinen, abartig riechenden Trockenfischen herum. Deren Überreste wurden zu allem Übel dann der kleinen niedlichen Katze zum Fraß hingespuckt.
Tja, nicht überall ist Wiskas das Grundnahrungsmittel dieser possierlichen Vierbeiner. Standesgemäß deckten sich die Polizisten noch mit 3 Einliterflaschen Fahrtbier ein bevor sich verschwanden. Etwas abseits hielt ein Auto, aus dem 2 Männer und eine Frau ausstiegen. Der Beifahrer holte sich ein erwartungsgemäß ein Bierchen und sie plauschten ein wenig. Das bizarre daran war, das sich nicht etwa der Fahrer ans Steuer setzte, sondern der Beifahrer, der sich soeben eine Grütze in der Mittagssonne reingedrückt hatte und sich nun scheinbar fahrtüchtig fühlte.
Da die 3 Frauen sich anscheinend noch nicht richtig an uns satt gesehen hatten und wir noch nicht ganz losgehfertig waren, entschieden wir uns, die bis dato bereits vergangenen 1,5 Stunden noch etwas auszudehnen. Der Strand läuft ja schließlich nicht weg! Also holten wir noch ein Bier und entschieden etwas gegen unseren aufkommenden Heißhunger zu tun. Glücklicherweise war uns zuvor der vorzüglich riechende Schaschlikgrill aufgefallen, der in einem kleinen Verschlag neben der Gaststätte stand. Diesmal war M. an der Reihe mit seinem Russisch zu protzen (außerdem musste er eh auf Toilette). Überlegend grinsend kam er nach 5 Minuten wieder, berichte von seinem Bestellerfolg sowie dem ungewöhnlich hygienischen Klo. 10 Minuten später wurde M. ungerechtfertigter Weise zum Ziel von C’s Gespött, da der Kellner mit 2 Salattellern und Brot kam. Doch weitere 10 Minuten später brachte der gleiche Dude zwei herrliche, mit Kräutern geräucherte Schaschlikspieße. Sorry for that! Gut genährt und inzwischen wieder halb zach, entschlossen wir uns dann doch nach ganzen 3 Stunden diese Idylle des Vorsichhinlebens für Einheimige zu verlassen, um dem Ruf des nächsten Bieres am Strand zu folgen.