Wednesday, November 23, 2005
Teil 17
Strandtag, Strandklub, egal, Hauptsache Bier
Am Strand angekommen konnten wir mal so richtig wertend loslegend, wobei wir nicht auf weibliche Begleiterinnen oder sonst irgendwas hätten Rücksicht nehmen müssen. Allerdings hatten wir das Gefühl, die Zeitungen in Odessa haben bereit über die beiden Deutschen, die biertrinkend am Strand rumhängen und Torten auf die Ärsche glotzen, berichtet. Jedenfalls fühlten wir uns zunehmend Unwohl in unserer nahezu sabbernden Beobachterrolle. Das bedeutete, wir mussten mehr Bier trinken um dieses schlechte Gewissen los zu werden. Nach einer kurzen, im wahrsten Sinne unbedingt nötigen Abkühlung, schlenderten wir also zu unserem Homibierstand, wo uns ärgerlicherweise ein Lada Samara den Strandblick verstellte. Dafür bequatschte uns ein Strandpenner, der neben sich schon eine kleine (0,33) leere Wodkaflasche stehen hatte und uns nun zum Inangriffnehmen der Großen einlud. Ich glaube wir verschmähten erstmals in diesem Urlaub ein solches Angebot und drollten uns ins nahe gelegene Strandkaffee. Unsere kurzzeitige Vernunft war wohl eher dem Hungergefühl zuzuschreiben, denn nachdem ein duftender Topf Pelmeni unter unseren Nasen stand, wurde auch wieder Bier bestellt. Etwas später hatte sich dann auch Masha anscheinend von ihrem Computer trennen können und gesellte sich zu den inzwischen sehr wortgewandten deutschen Gästen um bei einer kleinen Runde Domino den äußerst ereignisreichen Tag auszuwerten.
Mit dem Sonnenuntergang gingen auch wir, allerdings mit dem Vorhaben am gleichen Abend noch einmal zurückzukehren. Doch dazu später. Erstmal hatten wir einen echten Auftrag.
Um der Gastfreundschaft die fantastischen Familie Novak zu danken, hatten C. und M. sich verpflichtet, ein echtes Familienabendessen zu kochen. Daher mussten wir erstmal zum Supermarkt, wobei die Menuvorstellungen auf dem Weg dahin einige Mal umgeworfen wurden und wir gewohnheitsgemäß erst im Supermarkt halbwegs konstruktive Aussagen machten. Auf C’s Wunsch wurde die halbe Gemüseabteilung Teil unseres Einkaufs (incl. nicht identifizierbarer Körnerkunden, die später in den Abfall wanderten). M’s Aufgabenteil war das Fleisch, wobei sich aufgrund eines Mangelangebotes für Rindfleisch entschieden wurde. Um halbwegs klar denken zu können verzichteten wir sogar auf das obligatorische Kochbier. Mit einem Riesenbeutel Zeugs kamen wir also in der Küche der Familie an, welche wir gemäß unserem westeuropäischen Standarts erstmal einer Grundreinigung unterzogen. Danach schnippselten wir mind. 3 kg Gemüse, um dieses nach und nach in einen breiigen Gemüsesud zu verwandeln. Der Salat ist uns hingegen äußerst gut gelungen. Die kulinarische Krone bildete das schuhsohlenhafte Rinderfilet. Naja, wir haben uns vielleicht bekleckert, aber sicher nicht mit Ruhm. Nichtsdestotrotz hat es nach eigenen Angaben allen vorzüglich geschmeckt. Mishas Laune war sogar so gut, dass er liebend gern bereit war die 0,5 l Nemiroff während des Essens unter uns 3 Männern aufzuteilen. Damit waren C. und M., die inzwischen beide an extremen Hitzewallungen litten was sich in regelrecht heruntertropfendem Schweiß äußerte, bereit für einen weiteren Partyabend. Um das finanzielle Budget nicht allzu sehr überzustrapazieren, entschieden wir uns für den nahe gelegenen Heimstrand, der auch als das Mekka für unter 18 Jährige gilt. Nach einer kurzen philosophischen Lagebesprechung über die Realisierung des Weltfriedens sowie einer Belehrung über Sex ohne Kondome und die möglichen Folgen mit/seitens des siebenfachen Weltumseglers, ging es per Maschrutka zum Armen Party Strand.
Und wie wir da abgegangen sind: Zuerst stellte sich C. 15 Minuten am eigenartig riechenden Klo an. Dann bestellten wir gelangweilt das erste Bier. Dann kam das erste Mal der Crazy Frog Song. Dann bestellten wir verängstigt unseren ersten Wodka. Dieser half nicht und wir bestellten den zweiten. Voller Freude lauschten wir einem Prodigy Techno Remix und erklärten diesen zum besten Tune des Abends. Dann bestellten wir noch ein Bier. Und dann waren endlich 3 Stunden vergangen und wir konnten vollsteif nach Hause gehen, wobei M. mindestens die doppelte Wegstrecke zurücklegte. Unser Bettaufbauen war inzwischen selbst in diesem Zustand zu einer hoch effizienten Rutinetätigkeit geworden und so schliefen wir (wahrscheinlich stark schnarchend und definitiv stinkend) ein.