Saturday, December 24, 2005

 

Teil 11

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Wir erwachten, uns drehte der Schädel und mit unserem Atem hätten wir nach eigenen Angaben töten können. Bei M. rebellierte darüber hinaus der Magen und zu allem Übel stand kein Wasser bereit. So erlitten bzw. bedauerten wir uns noch ne Weile. Olga brachte uns zum Busbahnhof, nachdem wir unsere Gehfähigkeit zurückerlangt hatten. Masha war sich sicher, dass die geschätzten 3 Stunden auch mal in einem Bus anstatt in der relativ komfortablen Bahn zurückgelegt werden könnten. M. rannte noch schnell zum Supermarkt um Frühstück einzuholen, nach eigener Aussage echt coolen Scheiss. Die Wahl lag zwischen 2 Kilo Würsten, Dosenfisch oder anderen fremd und unheimlich wirkenden, wohl kaum essbarem Zeug. Daher entschied sich M. für eine Surprisepaste, Brot, Ostkaubonbons (wegen des coolen Covers a la Fuchs und Schnatterienchen), Schokoriegel und Cola. Immernoch geplagt kam M. zurück und fand C. und Masha vor einer kleinen Mini-Maschrutka vor: Glücklicherweise war der grosse Bus kaputt und somit kamen wir in den Genuss einer 3 ½ stündigen Kleinbusreise, die hier eindeutig näher beleuchtet werden muss. M’s Kraxe lag bei seiner Rückkehr noch vor dem Bus, was ihn zwar wunderte, jedoch alsbald aufgeklärt werden sollte. Die Maschrutka wäre damit nämlich bereits völlig zugestellt gewesen, sodass die restlichen 6 von 16 Personen nicht mehr hätten zusteigen können. C. gab sich fix einen Sturzkaffee, da die Platzanordnung ohnehin noch nicht vollkommen geklärt war und wir zu eben dieser mit unserem rudimentären Russisch eh nichts beizusteuern hatten. Nach mehrmaligem Umsetzen, Kraxen verrücken, seufzen sowie einer Reihe von Lachanfällen fanden dann doch alle mehr oder weniger Platz (manche auch nur auf 2 von 4 Buchstaben). Es folgt eine detaillierte Beschreibung des fahrenden Menschenkäfigs. Seitlicher Einstieg: Rechts original 4 Erwachsene auf 3 Sitzen (incl. M. mit geschätzter Beinfreiheit von 20 cm, die er sich mit seinem Rucksack teilen musste), hintereinander 3 Sitzreihen für je 2 Leute, die zum Teil mit 3 Leuten besetzt wurden, der Rest auf dem Beifahrersitz. M. traf es bei alldem besonders hart, da er seine Kraxe, wie bereits erwähnt, entweder zwischen seinen Beinen platzierte oder die 16 kg auf seinem Schoss ertrug. Warm war es zum Glück überhaupt nicht, obwohl der Fahrer intensiv versuchte, jegliche Frischluftzufuhr zu verhindern. Lediglich der winzige Schlitz des Fahrerfensters störte den Genuss der tropischen, saunahaften und sauerstofflosen Luft im Innenraum. Naja, atmen muss man ja nicht unbedingt. Besonders schwer fiel das Atmen allerdings dann, wenn der Fahrer unser überladenes Transportmittel grundlos in der Sonne parkte, um eine unnötige Pause zu machen, bei der die Passagiere den Innenraum nicht verlassen durften. Und in dieser Form rüttelten wir nun durch die ukrainische Pampa. Nach etwa 1 ½ Stunden stiegen 4 Fahrgäste aus, was zu unerwartet viel Freiraum für Beine und Gepäck führte. M. bemerkte beiläufig, dass ja nun eigentlich ein paar Leute zusteigen könnten. Selbst wenn der Fahrer dies unmöglich verstanden haben konnte, las er wohl M’s Gedanken, denn ca. 10 Minuten später hielten wir für eine kurze Pause als einziger „Bus“ auf einem Pampabahnhof irgendwo j.w.d. Prompt erfolgte eine Lautsprecheransage, die unser Kommen ankündigte und direkt 5 Leute anlockte. Wie zu erwarten war, stiegen diese zu und erhöhten somit die Anzahl der Fahrgäste auf ein zwischenzeitliches Maximum von 16 Erwachsenen und 3 Kindern auf 14 vorhandenen Plätzen. Auf einer Arschbacke sitzend, erreichte die Fahrt für einige Mitleidende sicher den verkrampften Höhepunkt der Odyssee.

Wie dem auch sei, wie sind auf jeden Fall gut angekommen, was ja das Wichtigste ist und wurden dank erneut guter Organisation von einem Aiesecer am Park der Pioniere abgeholt. Der unbedingte Essdrang führte uns auf unserem Weg zur Praktikantenwohnung in ein Restaurant mit niedlicher, hellgrauäugiger, immer lächelnden Bedienung. Danach wurden wir von einer netten Polin mit pferdeähnlichem Kopf herzlich empfangen und mit einer Dusche & Kaffee versorgt. Das Bad in dieser Wohnung war der wohl kommunikativste Waschplatz den wir je erleben durften, denn in Kopfhöhe befanden sich offene Fenster, sodass problemlos mit dem Toilettensitzer und der Küchenbesatzung gequatscht werden konnte.

Nach diesem gemütlichen Sit-in ging es as den Stadtsee von Ivano-Frankivsk, wo ein Open Air Drum and Bass einen Parcours Event begleitete. Da die, über Paletten springenden und wetzenden Dudes irgendwie weniger spektakulär waren als erwartet, zogen wir eine gepflegte Runde Frisbee vor. Durch einen aussergewöhnlich gepflegten Park wandelten wir nach Einbruch der Dunkelheit in die sehr nette Innenstadt und kamen schnell mit dem coolen tschechischen Trainee sowie der, vor allem von B. angehimmelten und bei objektiver Betrachtung wirklich sehr niedlichen Natalia-Natascha ins Gespräch. Zum Ausklang des Tages gab es ein paar Bier, Slivovitz sowie den fast schon obligatorischen Einschlafwodka, welcher ein fünfminütiges heftiges Drehen in C’s Kopf hervorrief, bevor wir beide in den Schlaf der Gerechten fielen.

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