Saturday, December 24, 2005

 

Teil 2

Prinzipientreue Vorbereitung

Es ist nun etwa eine Ewigkeit von genau einem Jahr her, dass uns der Sommer in ein fremdes, weit entferntes, komisches Land treiben sollte. Wie immer wurde alles extrem akribisch und Monate vorher geplant, wie von uns nicht anders gewohnt. Auch war es diesmal viel, viel einfacher, da wir diesmal auf den (Dürr)Schmidt, unseren alten Mitstreiter, verzichten durften, der sich ja bekanntlich irgendwo auf dem schwarzen Kontinent herumtreibt, um wehr- und harmlosen Rüsseltieren nachzustelzen und sie dann genüsslich und in aller Seelenruhe mit Macheten und Kettensägen im Blutrausch zu zerfetzen.

Wie gesagt, wir hatten das Glück mit seiner Abwesenheit gesegnet zu sein und überhaupt deshalb war alles viel besser diesmal. Unsere präzise Planung begann wie bereits erwähnt entsprechend zeitig, exakt eine Woche vor Antritt, zur Hauptreisezeit des Jahres. Der eigentliche Plan war es am 6. September 2005 romantischerweise mit dem Zug innerhalb von 36 Stunden nach Odessa zu reisen. Dies war uns leider nicht vergönnt.

Die, gegen alle Normen deutscher Serviceleistungen, recht freundliche, kompetente und auskunftsfreudige Bahnangestellte machte uns klar verständlich, dass es keine Möglichkeit gab, relativ preiswert in der vorgegebenen Zeit in das ukrainische Strandmekka zu reisen. Alles wäre ausgebucht, oder zumindest wären keine Schlafplätze mehr frei gewesen. Warum in den Computern der Deutschen Bahn Plätze und Schlafplätze getrennt angegeben werden, obwohl es unter keinen Umständen möglich ist, einen Platz in diesem Zug zu reservieren ohne gleichzeitig einen Schlafplatz zu mieten, bleibt uns bis heute schleierhaft. Uns war bis dato immer noch nicht so richtig bewusst, warum so viele Menschen in die Ukraine wollten. Richtig gehört!! Auch in den abgelegensten Winkel unseres ach so zivilisierten westeuropäischen Kontinents reisen Typen, die nicht nur so riechen, sondern unglaublicherweise auch noch so aussehen wie wir. Unvorstellbar so was! Ok, dachten wir uns, vielleicht gibt´s ja ne Eurolines Verbindung. Nach kurzem überlegen, ließen wir diese Idee mit jähem Entsetzen fallen, 24 Stunden Busfahrt? Nee, nee, die Erinnerungen an die kolonnenweise Verfrachtung ostdeutscher Touristen nach dem Fall der Mauer und der ersten freiheitlichen Reisen an die Costa del Sol waren einfach noch zu frisch. Und in jungen (ja ja, ich weiß, eigentlich sind´s die alten, passt aber hier nicht) Wunden sollte man nicht herumbohren. Aber, dachten wir uns, bringt ja nun alles nichts, schließlich hatten wir ja uns auch schon mit einer 14-Tage Versicherung der AXA-Versicherung übers Ohr hauen lassen, und 20 Euronen für keinen Urlaub zu zahlen, fanden wir dann doch etwas zu beschissen.

Nun kam plötzlich eine ganz neue, bis dahin nicht beachtete Alternative ins Spiel. Per Luftpost! Hmm, immer noch von dem Gedanken gequält, uns zu ruinieren, wagten wir uns letztendlich doch ins Reisebüro. Wiederum trafen wir auf hilfsbereites Fachpersonal, welches uns freundlicherweise alle möglichen Flüge raussuchte. Natürlich gab es genug aus der Kategorie –die könnt ihr euch im ganzen Leben nicht leisten-, aber für uns Gücksfüchse gab es da noch die Ukrainian Air Touristenklasse für 273 Euren und da schlugen wir natürlich zu, zumal die Zugfahrt nicht viel weniger gekostet hätte, und die Busfahrt bereits als zu knie- und rückenfeindlich ad acta gelegt wurde. Also Fliegen, ok, ist auch nicht schlecht, machen wir das halt so, fliegen wir also am 6. September, 18.05 Uhr von Berlin/Tegel nach Kiew sind ja beide jung, dynamisch und flexibel.

Dies implementierte natürlich die sofortige Kontaktaufnahme mit unseren kleinen Mashinka, schließlich war nicht Kiew, sonders Odessa das eigentliche Ziel unserer Reise. Vermutungen nach zufolge, dass es nicht so einfach oder gar unmöglich sein würde einen Zug oder Bus im Anschluss an unsere Ankunft am Kiewer Flughafen zu bekommen, überließen wir die Organisation gleich vollständig unserer liebreizenden ukrainischen Bekanntschaft. Genialer Schachzug. Keine Arbeit, kein eigenes Kopfzerbrechen oder gar Herumbalgen mit ukrainischen Beamten via email, dazu noch mit extrem schlechten Russischkenntnissen und null dergleichen in Ukrainisch, keine Chance. So einfach kann´s gehen, wenn man sich nur ein bisschen dumm stellt! Mashanja regelte es folgendermaßen. Sie rief ihren Bruder Саша in Kiew an, um ihm darauf vorzubereiten, dass wieder einmal ein paar Freunde von ihr eine Herberge für eine Nacht benötigten und da wir Flaschen in Hinsicht ukrainischer Sprache sind, durfte er sich auch noch um die Reservierung der Bus- oder Bahntickets kümmern. Dies hat unser Sunnyboy, er ist wirklich einer der Kategorie „extrem-girls-hunter“ – seine Zimmerwände sind übersäht mit Photos seiner weiblichen Trophäen, natürlich sehr gern für uns erledigt.

Aber eigentlich sind wir ja noch gar nicht los geflogen, also wieder zurück. Da gibt´s nämlich noch etwas, was schon noch erwähnt werden sollte. Die zweite Planänderung nämlich. Am Vorabend unserer Reise rief C bei M an und meinte, wir können nun nicht zusammen nach Berlin fahren, er müsse mit einer Anderen da hin, er hätte ganz vergessen, dass er ihr versprochen hatte, genau an diesem Wochenende, sie nach Berlin begleiten zu müssen. M war schon etwas geschockt, normalerweise spart man sich Änderungen festgesetzter Pläne in letzter Sekunde, um das deutsche, nach geregelten Abläufen und Ordnung lechzende Herz nicht zu arg zu beanspruchen. Aber auch diese Hürde meisterten wir wunderbar und M kam in den Genuss C´s Rostkarre strengen Regeln zufolge (maximum speed limit 160 km/h) nach Berlin zu chauffieren. Gesagt, getan.


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