Saturday, December 24, 2005
Start der Reise
Am 6. September um 13.00 Uhr starte M die Reise in die Bärenhauptstadt, und nach einigem Zittern und Bangen erreichte dieser den Flughafen Berlin/ Schönefeld, kickte seine bis dato noch in Deutschland weilende Freundin Jev (sorry for that!!) aus dem Wagen und erreichte pünktlich wie die viel zitierten Mauerer das Haus von C´s Tante. Sie hatte nämlich freundlicherweise ein Taxi für uns bestellt (und auch gezahlt). Der Fahrer, ein alter Bekannter von C, stürmte auch so gleich heraus und zwang uns in den Wagen, schließlich hatte auch er noch anderen Verpflichtungen nachzugehen. Wieder pünktlich kamen wir dann auch am Flughafen an. Bis jetzt lief ja eigentlich alles ganz zufrieden stellend. Genug Zeit, eine zu rauchen und ein gemütliches „Abschiedsbier“ zu trinken, alles wäre perfekt gewesen…doch die Anzeigetafel „departure“ konnte uns an diesem Tag irgendwie nicht leiden. Trotzig verbarg sie die bestätigende Information unseres Fluges nach Kiew. Nix! 18.05 Uhr ging nicht mal n Flug in irgendein anderes „Scheissland“! Uns wurde schlecht. C meinte, man müsse dann doch mal auf die Tickets schauen, und tatsächlich, da stand nicht Flug: Kiew, 18.05 Uhr, 06.09.2005, da stand die geschrieben, Flug: Kiew, 18.05, 07.09.2005. Hätte uns jemand in der Zeit beobachtet, hätte dieser definitiv sofort mitbekommen, was vor sich ging. Wir schauten uns an und versuchten erstmal Schuldige aus zu machen und fanden diese dann einstimmig in der „blöden Tussi aus´m Reisebüro“. Die war das nämlich, die hat die Abflugsdaten verdreht! Kein Vorwurf an uns! Niemals nicht! Frustfressen bei Burger King! OK, Watt nu? sprach der Hase? Eene roochen und erstmal n Hackflex uffzocken. Jetzt mussten erstmal Alternativen gefunden werden. Natürlich kann man auch mal ne Nacht durchmachen, auf´m Bahnhof pennen kann man immer. Aber das muss nicht sein, kennt man Leute in Berlin, die man eh schon lang nicht gesehen hat und ein Besuch längst überfällig ist. M rief daraufhin Martin Fragel an. Ihm wurde die Geschichte erzählt und der erste Lacher war damit auch schon fällig. Trotz alledem lud er uns, gezwungenermaßen zu sich und seiner Familie nach Hause ein. Das Asyl erwies als äußerst angenehmer, lustiger und längst überfälliger Besuch der inzwischen vierköpfigen Preußenfamilie.
Bewaffnet mit 16 Becks und ner Packung „moods“ machten wir uns auf in die Irenestraße in Berlin/ Lichtenberg. Gemütlich zogen wir uns die Bier auf dem kleinen Balkon zu Gemüte, beschwätzten alles was im letzten Jahr von Bedeutung war und rauchten jeder eine Packung. Die beiden kleinen Fragels, Nolan und Melvin waren bereits im Bett und die Frau Mama gönnte sich einen freien Abend im Kino, was selbstverständlich nur mit der Zustimmung des Hausherren möglich war. Die kleine Notlüge, wir hätten die moods für den Herrn Fragel als Gastgeschenk vorbeigebracht, zog zum Glück auch, als Kathleen etwas später am Abend ebenfalls eintraf. Ein kurzer Bericht über unser „Falafel“[1] stimmte auch sie auf unsere Gutmütigkeit ein und wir redeten noch eine Weile über dies und jenes. Natürlich waren zu späterer Stunde besonders die 2 beiden Wonneproppen thematischer Mittelpunkt der Diskussion und da erfuhren wir auch, dass Nolan es bevorzugte punkt 7.00 Uhr morgens mit den Matchern[2] zu zocken. Cool, dachten wir uns, sind wir dabei! 0.00 Uhr packte dann alle die Müdigkeit und C und M hatten das erste Mal das Vergnügen, im ja noch nicht einmal richtig begonnenen Urlaub, bei einer Familie auf der Couch im Wohnzimmer zu nächtigen.
Wir stellten uns die Wecker, punkt 7.00 Uhr standen wir beide mit je 2 Matchern bewaffnet vor Nolans Tür, doch nichts regte sich, in der ganzen Wohnung war nix zu hören. Mmh, dachten wir uns, entweder die erzählen uns die ganze Zeit nur Blödsinn (absichtlich oder unabsichtlich sei jetzt mal dahin gestellt) oder wir brachten die kleine Familie mit unserem unerwartetem Besuch vollkommen aus´m Konzept und ihrer Planung fürs Wochenende wurde umgestülpt, dass wir sie so auslaugten und sie bis ultimo schlafen mussten.
Die Wahrheit wird wohl irgendwo dazwischen liegen. Jedenfalls butzelten M und C noch mal eine Stunde bis 9, was ja eigentlich 2 Stunden waren, aber die vielen Bier am Abend zuvor drückten wahrscheinlich noch ein bisschen aufs Hirn.
Nolan (2 Jahre) war noch ein wenig scheu und musste sich erst einmal an uns gewöhnen. Melvin (1/2 Jahr) interessierte es herzlich wenig, wer wir waren und aus welchem Grund wir zu Besuch kamen. Er lächelte nur und freute sich sabbernderweise, wenn jemand seine Hand hielt oder ihn auf den Schoß nahm. Nachdem M und C Fressalien (Norma, U-Bahnhof Lichtenberg, Mo – So 8.00 – 20.00 Uhr) eingeholt hatten, gab es ein super chilliges gemütliches Sonntagmorgen Familienfrühstück mit der gesamten Familie Fragel.
Dabei taute Nolan schnell auf und zeigte uns seine Nutellabrotesskünste und Melvin grinste und sabberte. Nach dem Essen zockte Martin F. noch kurz mit Nolan wobei er ihm schnell noch beibrachte, dass M und C echte Sachsen wären und die ziemlich selten im Land der Berliner und Buletten wären. Dies ließen wir natürlich nicht auf uns sitzen, und lernten ihm schnell Dierborg (Tierpark) zu sagen, was dem Vater natürlich missfiel. Da sieht man wieder, wie schnell Kinder zum Spielball von Erwachsenen und ihren Meinungsverschiedenheiten werden. Während die 4 „großen Männer“ sich noch mal aufrafften um Berlin, das jüdische Denkmal und das Sony Center zu erkunden, verbrachte Kathleen die Zeit mit Melvin mit schlafen, stillen und zocken.
Aber auch dieser abwechslungsreiche halbe Tag ging zu Ende und als wir gerade richtig eingewöhnt hatten, mussten wir auch schon wieder weg. Na gut, s´war ja eigentlich nur eine Notlösung, aber wir hatten fast schon das Gefühl, als wäre dieser Abstecher ein geplanter Bestandteil unseres Urlaubs gewesen. Wir bedankten uns brav und verabschiedeten uns vom stummen Melvin, Nöhle-Nolan, Preußen-Martin und Kathleen H. Danke, war echt nett bei euch!
[1] Ein Falafel in diesem Sinne ist eine große Dummheit, Verpeilung oder ein
[2] Matcher, auch Matchbox genannt, sind die kleinen gusseisernen Metallautos, welche auch gern mal benutzt worden, um anderen bösen Kindern im Sandkasten auf´n Kopf zu hauen.